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Schweizer Milch


Überall auf der Welt gilt Milch als gesund, besonders auch in der Schweiz. „Starke Knochen“ soll sie geben und eine hervorragende „Kalziumquelle“ soll sie sein. In diesem Beitrag möchte ich auf eine Industrie eingehen, die seit eh und je von Propaganda, Ausbeutung und Lügen profitiert: Schweizer Milch.

Zahlen zur Schweizer Milchindustrie
Unternehmen wie Emmi Schweiz AG, Nestlé Suisse S.A. LATI und Baer AG, zusammen mit ein paar weiteren, veröffentlichen als Verband die Zahlen zur Schweizerischen Milchindustrie [1]. Für das Jahr 2014 wurden folgende Zahlen publiziert [2]:
  • 3541‘000 Tonnen Milch wurde vermarktet.
  • Fettgehalt der Milch lag bei 40%.
  • Eiweissgehalt der Milch lag bei 33%.
  • Pro Kopf konsumierten Herr und Frau Schweizer 62.3kg Konsummilch.
  • Die 10 Mitglieder des Verbandes haben zusammen, ohne Käse, 2215‘000 Tonnen Milch verarbeitet, was 62.55% der gesamten Milchmenge ausmacht. 
  • 471‘527 Tonnen Konsummilch wurden hergestellt.
Eiweiss in Kuhmilch – keine Besonderheit
[3]
Swissmilk behauptet:
„[…] Besonders erwähnenswert sind das hochwertige Eiweiss, das leicht verdauliche Milchfett und der Milchzucker. Zudem enthält die Milch fast alle Mineralstoffe und Vitamine in einem beinahe idealen Verhältnis. Das macht sie auch für Erwachsene zu einem wichtigen Nahrungsmittel.“ [4]

Schauen wir genauer hin. 100g Milch enthalten 3.4g Protein (=“Eiweiss“), wie oben auf der Tabelle ersichtlich. Zum Vergleich: Sojamilch enthält auf gleicher Menge ungefähr 3.3g Protein [5]. Der Unterschied von 0.1g Protein macht Kuhmilch nicht zu einer „hochwertigen Eiweissquelle“.

Laktose und deren Unverträglichkeit
Milchfett und Milchzucker. Letzteres ist eher bekannt unter dem Namen „Laktose“. Interessant zu wissen ist an der Stelle, dass Menschen von Natur aus keine Kuhmilchtrinker sind – ich weiss, was für eine Überraschung. In menschlichen Überresten aus dem 6. Jahrtausend vor Christus entdeckte man das LCT-Gen in seiner ursprünglichen Form, der so Laktoseintoleranz verursacht. [6]
Vor wenigen Tausend Jahren litten die meisten Menschen unter Unverträglichkeit von Laktose. Erst vor etwa 7‘500 Jahren gewöhnten sich die ersten Europäer an Laktose von der Kuhmilch. Im Grunde genommen ist der Mensch bis zu seinem fünften Lebensjahr fähig Milchzucker im Darm zu verarbeiten. Danach fehlt dem Menschen das entsprechende Enzym um die Milchzucker aufzunehmen. In dem Alter konsumiert der Mensch eigentlich auch gar keine (Menschen-)Milch mehr. Sollte er doch, so bleibt die Laktose im Dickdarm, Bakterien verarbeiten diese und die chemische Reaktion resultiert in Milchsäure und Kohlendioxid. Letzteres kann zu Bauchschmerzen führen, in schlimmeren Fällen zu Blähungen und Durchfall. Man geht aber stark davon aus, dass vor etwa 7‘500 Jahren sich die Menschen, durch die Umstände und dem Konsum, eine Toleranz gegenüber Laktose aneigneten. [6]

Wenn ein Erwachsener unseres Jahrhunderts, der eigentlich bis hierhin Laktose vertragen hat, über eine längere Zeit keine Milchprodukte konsumiert, so kann sein Körper wieder eine Laktoseunverträglichkeit entwickeln. Der menschliche Körper sieht keine Notwendigkeit die Milchzucker zu verarbeiten. [7]

Die einzige logische Schlussfolgerung aus diesen Erkenntnissen ist also: Der menschliche Körper hat sich über einen unnatürlichen Konsum von Milch einer anderen Spezies eine Verträglichkeit von Laktose über einen längeren, nicht vorgesehen, Zeitraum antrainiert. Lässt eine Person den Konsum von Milch aus, so sieht der Körper keinen Sinn diesen Stoff weiter verarbeiten zu müssen und entwickelt wieder, die eigentlich natürliche, Unverträglichkeit von Milchzucker. Von einer „leicht verdaulichen Milch“ zu sprechen ist Schwachsinn. 

Mineralstoffe und Vitamine – Milch ist nicht notwendig
Weiter behauptet Swissmilk, dass Kuhmilch „fast alle Mineralstoffe und Vitamine“ enthält, weshalb es ein „wichtiges Nahrungsmittel“ für Erwachsene sei. Abgesehen von der gerade thematisierten Laktose, ist diese Behauptung auch sonst völliger Unsinn. 

Werfen wir nochmals einen Blick auf die Nährwerttabelle von Kuhmilch. Dieser fehlen einige Vitamine und Mineralstoffe wie Vitamin C und Eisen. Weiter scheint der Gehalt von Kalzium auf den ersten Blick relativ „hoch“ aber es handelt sich keinesfalls um eine Menge, die man nicht leicht ersetzen könnte. Betrachten wir zum Vergleich die Kidneybohnen:
[8]
Kidneybohnen bieten mit 143mg/100g eine höhere Menge an Kalzium. Weiter konsumiert man mit einer Portion Bohnen ebenfalls Vitamin C, Eisen, Vitamin B6 und eine beträchtlich höhere Menge an Magnesium. Vitamin A ist zwar in diesen Bohnen nicht enthalten, lässt sich aber leicht durch die Verwendung von Öl, wie Beispielsweise Rapsöl, in der Küche substituieren [9]. Wer sich über Vitamin B12 Sorgen macht, der möge sich diesen Beitrag hier gerne anschauen.

In der Form verhält es sich mit vielen Lebensmitteln, die von der Industrie als „notwendig“ geworben werden. Kuhmilch ist nicht magisch, sondern Milch für Kälber. Ein Verzicht ist keine Zauberei und auch nicht „schwer umzusetzen“.

Die Milchindustrie ist Teil der Fleischindustrie
Natürlich versucht Swissmilk auch mit anderen Mitteln für Milch aus der Schweiz zu werben. Unteranderem fallen da Behauptungen wie „strenges Tierschutzgesetz“, „gutes Futter für die Kühe“, „viel Platz“, „Familienbetriebe“ und so weiter [10].

Man sollte als Konsument sich aber folgendes bewusst sein: Die Kühe in der Schweiz werden zum einen für Milch missbraucht aber auch für Fleisch geschlachtet. In dem Sinne, ist die Milchindustrie ein Teil der Fleischindustrie. Wer Milch konsumiert, der unterstützt die Fleischindustrie.

In einem anderen Beitrag habe ich ausgiebig Schweizer Fleisch thematisiert. Relevant ist vor allem, dass die Tierschutzverordnung lediglich den mutmasslichen Missbrauch der Tiere verbietet, die Ausbeutung dieser aber dennoch gestattet ist. Im Klartext bedeutet das, dass die Kühe möglichst lange eingesperrt sind und zu Ware degradiert werden. Weiter importiert die Schweiz eine Unmenge an Futtermitteln für Tiere unter Schweizer Haltung. Ebenfalls ist das Bild vom „netten Dorfbauernhof“ abseits der Realität, denn es werden schlichtweg zu viele Tiere gehalten und geschlachtet. Über 55 Millionen allein in der Schweiz. Wir reden von einer Industrie. Da geht es um den Profit, nicht um das Wohl der Tiere.

Schweizer Kuhmilch ist unethisch
Die Ethik befasst sich als Teilbereich der Philosophie mit dem menschlichen Handeln. In dem Kontext gehören auch Begriffe wie „Moral“ oder was „richtig“ und „human“ ist. Die Produktion von Milch ist keineswegs ethisch korrekt.
Als „Nutztiere“ abgestempelte Kühe der Milchindustrie haben eine Lebenserwartung von etwa 5 ½ Jahren, wo hingegen ihre natürliche Lebenserwartung bei etwa 20 Jahren liegt [11]. Kühe sind, wie Menschen auch, Säugetiere. Das bedeutet, dass sie ohne Schwanger zu werden keine Milch produzieren. Eine einzige Kuh wird durch künstliche Befruchtung dazu genötigt, jährlich etwa 5‘000 bis 8‘000 Liter Milch zu produzieren [10]. Frauen, vor allem Mütter, wissen wie schmerzvoll dieser Vorgang sein kann. Das beginnt bei der Haltung des Nachkommens im Bauch, bei der Geburt und die Brustschmerzen während der Stillzeit. Kühe in der Industrie werden gezwungen diesen Prozess pausenlos zu wiederholen. Die Kuh hat irgendwann keine Kraft mehr oder „produziert“ nicht mehr genug, sie ist dann „reif“ für den Schlachthof. Ist das ein humaner Umgang mit Tieren? Würden wir zulassen, dass unseren Schwestern, Ehefrauen oder Müttern so etwas geschehen würde? Ich denke nicht.

[12]
Seit eh und je versucht die Schweizer Milchindustrie diesen an sich perversen und unnatürlichen Vorgang der künstlichen Befruchtung und Ausbeutung von Kühen als „normal“ und „natürlich“ darzustellen – alles für den Profit. Zudem ist der Milchkonsum pro Person in den letzten 60 Jahren stark gesunken [13]. Die Industrie wird nervös. Aus diesem Grund versucht man die Konsumenten im jungen Alter bereits für das Produkt „Kuhmilch“ zu begeistern. Wie sollte es auch anders gehen: würde überhaupt jemand freiwillig an der Zitze einer Kuh für Milch saugen wollen? Wohl kaum.

Die Industrie ist sich dieser Tatsache bewusst und versucht deshalb mit euphemistischen Darstellungen („ach die Kuh ist so glücklich!“) und Lügen („das ist alles natürlich und gesund!“) dem Nachwuchs den Konsum von Kuhmilch zu indoktrinieren.

Der Milchverband Swissmilk investiert Millionen in Lehrmitteln für Schulen der Schweiz [13]. Dies zeigt sich in Form von obligatorischen „Informationsveranstaltungen“ zum Thema Milch, „Lehrmittel“ für zu Hause oder „Pausenmilch“ für die Schulkinder [13]. Von Neutralität und objektiven Tatsachen bei diesem gesponserten Unterrichtsmaterial zu sprechen ist schlichtweg naiv.

Weiter erhält die Milchindustrie der Schweiz beträchtliche Subventionen vom Bund, obwohl es immer weniger Milchbauern gibt und die produzierte Menge dennoch gestiegen ist. Um die „Krise“ abzuwenden, erhalten Schweizer Milchproduzenten (SMP) im Jahr 2017 etwa 7.1 Millionen Schweizer Franken, nur für die Werbung. Wohl bemerkt, der Steuerzahler finanziert natürlich mit. [14]

Lügen, unnötige Subventionen auf Kosten der Steuerzahler und Ausbeutung von Tieren. Schweizer Milch ist alles andere als ethisch vertretbar.

Hormone in der Kuhmilch
Eine Studie der Harvard University sieht einen deutlichen Zusammenhang von pasteurisierter Kuhmilch und hormonbedingten Krebserkrankungen. Zudem sei es alarmierend, dass Kuhmilch eine beträchtliche Menge an weiblichen Geschlechtshormonen enthalte. Es bestehe der Verdacht, dass damit Hoden-, Prostata- und Brustkrebs in Verbindung stehen. [15]

Untersuchungen zeigten zwar, dass es einen Unterschied gibt zwischen industriell hergestellter Milch und solcher von beispielsweise mongolischer Kühe auf freier Wiese. Grund dafür ist, dass eine Kuh in hoher und wiederholter Schwangerschaft eine hormonreichere Milch produziere. [15]

Man sollte sich aber im Klaren sein, dass auch in der Schweiz vermehrt automatisierte und gewinnorientierte Prozesse an Tieren durchgeführt werden. Die Kühe werden immer weiter ins Extreme getrieben, denn die Menge an Milch soll steigen aber zeitgleich werden es immer weniger Milchbauern.

Schweizer Bauern setzen beispielsweise vermehrt Melkroboter ein. Mit Futter werden die Kühe gelockt und ein Melkarm wird automatisch an die Euter gesetzt. Laut Aussage der Bauern sollen hierbei keine Zitzen „überlastet“ werden. Durch solche Methoden soll „Wachstum“ erzielt werden. [16]

Was bedeutet das für die Tiere? Genau: Mehr Schwangerschaften. Mehr melken. Mehr Milch. Mehr Belastung. Dies alles resultiert in mehr Hormonen in der Kuhmilch und somit ein erhöhtes Gesundheitsrisiko.

Schlusswort
Schweizer Milch ist eine Farce. Mit Lügen um die Nährwerte versucht man dem Konsumenten eine Notwendigkeit vorzugaukeln. Darüber hinaus illustriert man die Wahrheit durch eine rosarote Brille und versucht damit eine barbarische Praktik zu normalisieren. Als wäre das nicht genug, sahnt man Millionen vom Bund ab und trichtert den Kindern und der Gesellschaft weitere Lügen ein. Obendrauf ist der Konsum von Milchprodukten schädlich für die Gesundheit.

Um in Aktion zu treten empfiehlt es sich Produkte im Regal genauer anzusehen. Viele Milchprodukte lassen sich ohne Umwege leicht ersetzen. Statt Milchjoghurt gibt es Sojajoghurt, statt Kuhmilch gibt es Soja-, Reis-, Hafer-, oder Mandelmilch. Käsealternativen lassen sich mittlerweile kostengünstig online erwerben und es ist eine Frage der Zeit, bis diese ebenfalls weiterverbreitet im Detailhandel zu finden sind. Backen ohne Milch und Eier ist ebenfalls eine Leichtigkeit. Gründe weiter Milch zu konsumieren? Es gibt keine!




[1]: http://www.milchindustrie.ch/verband/mitglieder/ (Stand 24.08.2017)
[2]: http://www.milchindustrie.ch/daten/zahlen/ (Stand 24.08.2017)
[3]: https://www.google.ch/search?q=N%C3%A4hrwerte+von+Milch&oq=N%C3%A4hrwerte+von+Milch&aqs=chrome..69i57.2440j0j7&sourceid=chrome&ie=UTF-8 (Stand 24.08.2017)
[4]: https://www.swissmilk.ch/de/schweizer-milch/milch-milchprodukte/milch/ (Stand 24.08.2017)
[5]: https://www.google.ch/search?q=N%C3%A4hrwerte+von+Sojamilch&oq=N%C3%A4hrwerte+von+Sojamilch&aqs=chrome..69i57.4659j0j7&sourceid=chrome&ie=UTF-8 (Stand 24.08.2017)
[6]: http://www.zeit.de/online/2009/36/milchtrinken-evolution (Stand 24.08.2017)
[7]: https://www.beobachter.ch/gesundheit/ernahrung-genuss/laktose-verzicht-gefahrdet-die-gesundheit (Stand 24.08.2017)
[8]: https://www.google.ch/search?q=N%C3%A4hrtwerte+Kidney+Bohnen&oq=N%C3%A4hrtwerte+Kidney+Bohnen&aqs=chrome..69i57.6311j0j7&sourceid=chrome&ie=UTF-8 (24.08.2017)
[9]: https://www.vitamine.com/lebensmittel/rapsoel/ (Stand 24.08.2017)
[10]: https://www.swissmilk.ch/de/schweizer-milch/ueseri-milch/#c13212 (Stand 24.08.2017)
[11]: http://www.vier-pfoten.de/themen/nutztiere/lebenserwartung/ (Stand 24.08.2017)
[12]: https://s-media-cache-ak0.pinimg.com/736x/38/fe/d6/38fed6ee24850b7ba7f1965772bda1e1--baby-cows-vegan-vegetarian.jpg (Stand 24.08.2017)
[13]: https://www.beobachter.ch/bildung/schule/marketing-werbung-macht-schule (Stand 24.08.2107) 
[14]: https://www.basel-express.ch/aktuell/414-die-milchindustrie-steckt-in-der-krise (Stand 24.08.2017)
[15]: https://www.zentrum-der-gesundheit.de/milch-krebs-ia.html (Stand 24.08.2017)
[16]: https://www.beobachter.ch/arbeit/selbstandigkeit-kmu/milchproduktion-roboter-ziehen-den-stall-ein (Stand 24.08.2017)

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