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1 Jahr ohne Fleisch: Ein Erfahrungsbericht

Genau genommen ist es mehr als ein Jahr. Noch genauer genommen, ist ein Teil dieses Zeitraums nicht nur «ohne Fleisch» sondern auch frei von jeglichen tierischen Produkten. In diesem Beitrag möchte ich auf diesen Abschnitt meines Lebens zurückblicken und ein paar Erfahrungen in Worten fassen. Wer weiss, vielleicht fühlt sich der eine oder andere Leser motiviert die ersten Schritte zu gehen.

Vom Fleischesser zum Veganer
Auch ich war mal Fleischesser – überrascht? Bevor ich Fleisch aus dem Menu strich, ass ich regelmässig Poulet, Rinds-was-auch-immer oder Döner, was eben jeder «normale» Mensch isst. Es kam eine Phase, da war ich stark daran interessiert meine Ernährung zu optimieren um die Effizienz meines Trainings zu steigern. Aus dem Grund stand regelmässig «fettfreies» oder «lean», wie man im Fachjargon sagt, Fleisch auf dem Ernährungsplan. Gemüse ass ich ebenfalls regelmässig. Käse oder Milch «einfach so» konnte ich aber nie wirklich leiden.

Ich stoss dann irgendwann, etwa zu Beginn von 2016, auf einen YouTuber namens «Vegan Gains». Wie sein Kanalname schon vermuten lässt, handelt seine Botschaft um Veganismus und Wachstum im Sinne von Muskelmasse und Kraft. Ja, ich weiss, ist für viele Menschen ein Widerspruch in sich. In seinen Videos der Serie «Worst of The Fitness Industry» entlarvte er viele angesehene Persönlichkeiten aus dem Fitnessbereich und deren «Ernährungstipps». Richard, Vegan Gains’ richtiger Name, präsentierte dabei kräftige Argumente, jeweils mit logischen Erklärungen und wissenschaftlichen Beweisen. Ein Bisschen Humor und Aggressivität waren in seinen Videos ebenfalls immer zu finden. Ich war begeistert, zeitgleich aber auch konfrontiert mit meinem bisherigen «Wissen». Es kam mir die Frage auf, ob mein Fleischkonsum vielleicht doch unnötig und schädlich ist…?

Die Gedanken um Fleisch und meinen falschen Vorstellungen liessen mich nicht los. Ich informierte mich mehr zum Thema Fleisch, Gesundheit, Ernährung und Ethik. Auch den Videos von «Erin Janus» möchte ich an dieser Stelle meinen Dank aussprechen. Sie ist eine weitere, mittlerweile bekannte, Person auf YouTube, die vor allem mit starken Illustrationen die Doppelmoral der Fleischkonsumenten demonstriert.

Ich begann dann im Laufe der Zeit Fleisch immer seltener zu konsumieren. Zeitgleich informierte ich mich über Alternativen, Inhaltsstoffe von vegetarischen Nahrungsmitteln und welche Produkte ich im Detailhandel finde. Bohnen, Linsen, Quinoa, Couscous, Leinsamen, Sesam-Samen, Tofu, Seitan und diverse Nüsse fanden immer öfter ihren Weg auf meinen Speiseplan. Anfangs Juni 2016 entschied ich mich den Schritt zu wagen und offiziell kein Fleisch mehr zu essen.

In den folgenden Monaten intensivierte sich meine Begeisterung für das vegetarische Leben. Auf der Suche nach Antworten, befasste ich mich mit der Fleischindustrie der Schweiz. Kurz darauf war die Idee von «kein-fleisch.ch» geboren. Der Schritt zu Veganismus schien mir das einzig richtige, weshalb ich dann auch diesen Weg anstrebte und Anfangs März 2017 mich dazu bekannte.
 
Kurz zusammengefasst: Zum Zeitpunkt dieses Textes, Freitag 25. August 2017, esse ich seit etwa 450 Tagen kein Fleisch und davon fast 180 Tage überhaupt keine tierischen Produkte. Ich fühle mich, mit meinen 23 Jahren, gesünder als vorher und habe keine medizinischen Beschwerden.

Blutwerte – Resultate und Vergleich
Gehen wir ans Eingemachte. Anlässlich des Vegetarier-Jubiläums liess ich mir beim Hausarzt einen Bluttest unterziehen. Das sind die Resultate:
 
In der Besprechung der Blutwerte mit dem Hausarzt wurde mir verkündet, dass mein «Mittleres Ery-Volumen» relativ «gering» sei, was auf einen Vitamin B12 zurückzuführen sein könnte. Man beachte, dass mein mittleres Ery-Volumen dennoch im gesunden Wertebereich ist.

Ansonsten liess man mich wissen, dass meine Werte im Allgemeinen sehr gut ausschauen. Ein besonderes Augenmerk sollte ich aber auf mein Kalium und die Harnsäure in meinem Blut legen. Der Arzt fragte mich, ob ich viel Fleisch esse, was den hohen Harnsäuregehalt im Blut erklären würde. Seines Wissens nach, sind meistens starke Fleischesser von hoher Harnsäure betroffen, was im schlimmsten Fall Gichtanfälle verursachen kann. In der Regel erleben aber Menschen erst im hohen Alter Gichtanfälle, da noch andere Faktoren, wie Übergewicht, eine Rolle spielen . Ich erfuhr, dass auch andere Lebensmittel wie Bohnen oder Linsen Purin enthalten und somit die Harnsäure im Blut steigern können. Wir vereinbarten einen weiteren Bluttest und ich soll bis dann auf meine Ernährung achten, hiess es. Im nächsten Labortest, der auf ein paar Wochen später datiert wurde, würde man das Vitamin B12 sowie die Harnsäure betrachten.

Das Resultat des darauffolgenden Bluttests sah wie folgt aus:
 
Heute ging ich zum Arzt, um den zweiten Test zu besprechen . Bei der heutigen Besprechung teilte mir der Arzt mit, dass mein Vitamin B12 Gehalt im Blut völlig in Ordnung ist, was leider nicht auf der gedruckten Version zu sehen. Ebenfalls sank meine Harnsäure im Blut von 628 micromol/L auf 450 innert nur fast 7 Wochen. Der Wert ist aber immer noch relativ hoch. Wir erachteten es beide aber für sinnvoll, dass ich deswegen noch keine Medikamente einnehme und lediglich mit der Ernährung, wie bisher, den Wert weiter senke. Bisher habe ich ja auch keine Beschwerden deswegen.

Zum Vergleich möchte ich noch einen anderen Bluttest darlegen. Diesen führte man bei mir im Rekrutierungszentrum durch. Ich ass damals regelmässig Fleisch, wie viele Menschen auch, Milchprodukte wie Joghurt oder Eier im Brot sowie in Teigwaren. Spiegeleier zum Frühstück oder Käse waren bei mir aber kein Thema, ich mochte schon damals weder den Geruch noch den Geschmack. Rückblicken bin ich sehr froh darüber. Hier die Resultate von 2013 zum Vergleich:
 
Entgegen allen Vorurteilen gegenüber Veganern und Vegetariern, hatte ich als Fleischesser schlechtere Cholesterin-Werte, weniger Eisen (Ferritin) im Blut sowie auch eine geringe Menge an Hämoglobin. Meine Cholesterin-Werte habe ich bereits in einem anderen Beitrag genauer betrachtet und unter wissenschaftlichen Erkenntnissen analysiert.

Über alle Laborwerte betrachtet sind die Resultate eindeutig. Dank meiner zu Beginn vegetarischen und dann gänzlich pflanzlicher Ernährung habe ich ein viel besseres Blutbild als zu Zeiten meines Fleischkonsums. In meinen Blutwerten sehe ich auch den Beweis vieler meiner Recherchen: Vegan lebt man gesünder als mit Tierprodukten. Es ist eine messbare Tatsache.

Empfehlungen für Vegetarier, Veganer und Interessanten
Aus meinen Erfahrungen und den Labortests ziehe ich ein paar wichtige Schlüsse, die ich hiermit abschliessend als Empfehlungen weitergeben möchte.

Ab und zu sollte man Früchte essen. Ich habe in letzter Zeit relativ wenig Früchte gegessen, vor allem weil diese mehrheitlich Kohlenhydrate enthalten und kaum Protein oder Fett. Die Vernachlässigung zeigt sich auch in meinem Kalium-Gehalt, der mit 3.1micromol/L Blut ein Bisschen tiefer als gewünscht war. Der Arzt riet mir beispielsweise Aprikosen zu essen. Äpfel und andere Früchte sollte man aber auch wegen anderen Nährstoffen nicht vernachlässigen.

Nahrungsergänzungsmittel sind für Veganer nicht notwendig. Ich konsumiere lediglich ein Vitamin B12 Präparat, wie ich es auch in einem anderen Beitrag bereits empfohlen habe. Ansonsten sehe ich bei einem gesunden Menschen keinen Grund für andere Vitamin Tabletten oder Eisen-Präparate etc. Eine ausgewogene, umfangreiche und pflanzliche Ernährung beliefert den Menschen mit allen notwendigen Nährstoffen, Mineralien und Vitaminen. Eisen, Magnesium, Kalzium und so weiter – alles kein Problem.

Purin kommt zwar am meisten in Fleisch vor aber man sollte dem, auch als Veganer, Beachtung schenken. Ich habe wahrscheinlich zu oft Bohnen und Linsen gegessen, was Purin enthält und somit auch die Harnsäure steigert. Zudem trank ich, unbewusst, zu wenig Wasser. Ich habe meine Harnsäure gesenkt, in dem ich Bohnen und Linsen eine Weile vermieden habe und zudem täglich mindestens 2.5L Wasser trank.

In einem etwas anderen Aspekt aber durchaus relevant für das vegetarische oder vegane Leben: Wissen ist Macht. Recherchiert, schaut euch Studien an, lernt gekonnt zu argumentieren. Das sind wichtige Werkzeuge um gegen Skeptiker zu debattieren. Dies soll kein Aufruf zu den «Waffen» sein, sucht auch nicht ständig Streit, es ist aber wichtig, dass man verbal seinen eigenen Standpunkt vertreten kann. Viele Menschen spüren den Drang gegen Vegetarier oder Veganer zu «argumentieren», wie auch die andere Seite manchmal die Diskussion sucht. Dazu habe ich mich in diesem Beitrag geäussert. Aus dem Grund ist es wichtig, dass man informiert ist und somit gegen jegliche Aktionen gewappnet ist. «Kein-Fleisch.ch» soll in dem Sinne auch ein Werkzeug sein, für jetzige Vegetarier, Veganer oder Interessanten.

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