Direkt zum Hauptbereich

Soja ist ungesund? Von wegen!


In diesem Beitrag möchte ich auf ein Referat von Professor Dr. Mark Messina an der VegMed 2016 eingehen. In diesem thematisiert er Soja aus verschiedenen Perspektiven und bezieht sich hierbei auf aussagekräftige Studien. Eine Aufnahme des Referats ist hier zu finden. Folgend meine Rekapitulation.

Von 1980 bis 2015 sind über 40'000 Studien zum Thema Soja veröffentlicht worden. Es gibt viele Studien, die behaupten Soja sei schlecht für die Gesundheit, aber mindestens genauso viele, die behaupten, Soja sei ein Wundermittel.

Statt sich passende Studien den eigenen guten Gunsten nach auszusuchen, ist es wichtig, sich die Studien nach ihrer Vorgehensweise gewichtet zu betrachten. Epidemiologische (= durchgeführt an der breiten Bevölkerung) und klinische (= durchgeführt an Patienten) Studien sind Tierversuchen oder Versuchen auf Zellebene vorzuziehen, da sie in realistischen Umgebungen durchgeführt werden.

Soja
Man unterscheidet nicht-fermentiertes und fermentiertes Soja. Zu Ersterem gehören Sojamilch oder Tofu, zu letzterem «Miso» oder «Tempeh». In Asien wird mehrheitlich Soja in nicht-fermentierter Form konsumiert.

In über 20'000 der betrachteten Studien ist zu erkennen, dass Soja reich ist an pflanzlichen Isoflavone. Dieser Stoff hat eine ähnliche chemische Struktur wie das Hormon Östrogen. Einmal im Körper drin, ist er gebunden als Phytosterin enthalten.

Cholesterin aus tierischen Nahrungsmitteln erhöht den Cholesterinspiegel im Blut. Phytosterine, mit ähnlichem chemischem Aufbau wie Cholesterin, senken den Cholesteringehalt im Blut und haben folglich einen positiven Effekt.

Brustkrebs
Betrachtet man die Population Asiens, wo eher Soja konsumiert wird, im Vergleich mit Europa und Amerika, so ist in Asien Brustkrebs viel seltener. Es ist natürlich an der Stelle zu beachten, dass dies keine aussagekräftige Studie ist, sondern nur eine Feststellung, weil sie viele andere Faktoren ausser Acht lässt. Es braucht andere Daten.

Die Kontroverse existiert deshalb, weil man ursprünglich der Meinung war, dass das Östrogen Hormon das Brustkrebsrisiko erhöhen würde. Neue Populationsstudien im grossen Mass zeigen jedoch, dass Frauen, unabhängig vom Alter, durch den Konsum von Östrogen geringeres Risiko an Brustkrebs zu erkranken hatten.

Tierversuche an Mäuse geben an, dass Isoflavone das Wachstum von Tumoren stärken. Folglich wurde oft von Ärzten propagiert, dass Frauen kein Soja konsumieren sollten. Wie bereits erwähnt, ist ein Tierversuch keine Garantie dafür, dass ein Befund auf Menschen übertragbar ist.

Es existieren bisher keine Daten darüber, wie bereits an Brustkrebs erkrankte Frauen auf den Konsum von Soja reagieren. Es gibt aber viele Versuche und Evaluationen von Isoflavone und deren Einfluss auf Indikatoren von Brustkrebs. Indikatoren sind beispielsweise eine hohe Brustdichte, wobei je höher die Dichte ist, desto grösser das Risiko. Biopsien, d.h. in dem Fall die Entnahme von Gewebe aus der Brust einer lebenden Frau, zeigen, dass eine Frau nach dem Konsum von Soja eine geringere Replikationsrate der Zellen in dem Bereich aufweist. Das deutet ebenfalls auf ein geringeres Brustkrebsrisiko hin.

Solche Untersuchungen zeigen allesamt, dass der Konsum von Soja keinen negativen Effekt auf das Brustgewebe hat.

Gynäkomastie
Oft wird dem Konsum von Soja auch vorgeworfen, er würde das Brustgewebe eines Mannes vergrössern und somit Gynäkomastie, umgangssprachlich «Männertitten», verursachen. Scheinbar sollen auch Erektionsstörungen auftreten. Tatsächlich zeigen aber klinische Daten, dass Isoflavone aus Soja keinen Effekt auf das Testosteron oder die Spermienproduktion des Mannes haben.

Funktion der Schilddrüse
Menschen mit normal funktionierender Schilddrüse können unbedenklich Soja konsumieren. Eine klinische Studie, welche über drei Jahre hinweg durchgeführt worden ist, betrachtete den Gehalt von Isoflavone äquivalent zu vier Portionen Soja, und fand, durch den Einsatz von genauen Messmethoden, keinen Effekt von Isoflavone an der Schilddrüse.

Menschen die bereits an einer Erkrankung der Schilddrüse leiden, und deshalb Medikamente einnehmen müssen, könnten durch einen hohen Konsum von Soja-Proteinen der Wirkung des Medikaments intervenieren. Ein solcher Effekt ist aber nicht nur bei Soja erkennbar, sondern auch bei Calcium-Präparaten, Ballaststoffpräparaten, Eisen, Drogen oder einigen Kräutern. Folglich wird Menschen mit einer Schilddrüsenerkrankung ein moderater Konsum von Soja-Produkten geraten sowie auch auf zeitliche Abstände, beispielsweise ein bis drei Stunden, zwischen Einnahme des Medikaments und Konsum von Soja zu achten.

Aufnahme von Mineralien
Phytinsäure ist ein natürlich auftretender Stoff in Sojabohnen oder anderen Bohnen und Vollkorngetreiden. Es ist allgemein bekannt, dass dieser Stoff die Aufnahme von Mineralien wie Eisen, Zink und Calcium vermindert. Dennoch wird vielen Menschen geraten Vollkornbrot oder Vollkorngetreide zu essen.

In Soja tritt zusätzlich Oxalat auf, was ebenfalls eine natürliche pflanzliche Chemikalie ist, welche die Aufnahme von Mineralien durch Bindung behindert. Spinat hat beispielsweise einen hohen Gehalt an Calcium, ist aber keine optimale Nahrungsquelle für diesen, weil er ebenfalls eine hohe Menge an Oxalat aufweist. Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Aufnahme von Calcium aus Sojamilch oder Tofu vergleichbar ist mit der Kuhmilch. Weiter ist erkennbar, dass Eisen im Tofu (auch Ferritin genannt), nicht unter dem Einfluss steht von typischen Faktoren bei der Aufnahme von Eisen. Folglich kann Ferritin einfacher vom Körper aufgenommen werden. Zudem ist feststellbar, dass durch die Einnahme von Phytinsäure über einen längeren Zeitraum, Wochen oder Monate, die Aufnahme von Mineralien kaum noch vermindert. Der Effekt der Verminderung ist somit gleich null. Mit anderen Worten, der Körper gewöhnt sich daran.

Soja in der Pubertät
Epidemiologische Studien zeigen, dass weltweit die Pubertät in der Bevölkerung früher eintritt. Die Menstruation tritt bei Mädchen, im Vergleich zu 50 Jahre vorher, in etwa ein oder zwei Jahre früher auf, wobei in einigen Regionen der Welt die Unterschiede viel markanter sind. Grund zur Sorge gibt diese Entwicklung deshalb, weil ein früherer Eintritt in die Pubertät bei Mädchen ein erhöhtes Risiko auf Brustkrebs im späteren Leben darstellt.

Eine mögliche Ursache für diese weltweite Entwicklung ist die Aussetzung der Menschen in einer Umwelt mit vielen hormonellen Chemikalien, welche beispielsweise in Plastik verwendet werden.
Es gibt viele Beweise dafür, dass der Konsum von Soja im Kindesalter sogar das Risiko für Brustkrebs im späteren Verlauf senkt. Solche Studien in Europa durchzuführen gestaltet sich jedoch schwierig, da der Konsum von Soja in europäischen Ländern relativ gering ist.

Allergien
Viele Proteine, die in Nahrungsmittel zu finden sind, können allergische Reaktionen bei Konsumenten verursachen. Gewisse Esswaren betreffen mehr Menschen, andere weniger. Am meisten reagieren Menschen allergisch auf Erdnüsse, gefolgt von Fisch, Milch, Eier, Weizen und schlussendlich Soja.

Die Anzahl an Soja-Allergikern ist also relativ gering. Zudem kommt, dass 70% der Kinder, welche initial allergisch auf Soja reagieren, aus der Allergie herauswachsen im Alter von zehn.

Schlusswort
Revidiert man verfügbare Studien nach ihrer Methodik, so kann die Aussage gemacht werden, dass Soja vollkommen unbedenklich für die Gesundheit ist. Soja bietet zudem viel Protein, gesunde Fette, ein vermindertes Risiko auf Brustkrebs und kann den Gehalt an Calcium im Körper erhöhen.

Somit dürften wohl gesundheitliche Bedenken beseitigt sein. Wer sich um die Umwelt sorgt und deshalb kein Soja konsumieren möchte, der kann sich gerne folgenden Beitrag ansehen: hier.

Kommentare