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Wenn jeder Mensch auf der Welt aufhören würde Fleisch zu essen

In diesem Beitrag möchte ich auf einen wissenswerten Artikel des WEFs eingehen. WEF steht für „World Economic Forum“, zu Deutsch Weltwirtschaftsforum, und repräsentiert eine Stiftung mit Genfer Hauptsitz welche sich mit Wirtschafts-, Gesundheits- und Umweltpolitik beschäftigt. Interessant ist der Artikel[1] deshalb, weil er den Titel trägt: „Wenn jeder Mensch auf der Welt aufhören würde Fleisch zu essen“. Die Fragestellung wird aus einer ökonomischen Perspektive beleuchtet. Stellt sich die Frage: Wie sind die Schweizer Konsumenten betroffen? Aus diesem Grund werde ich einige der genannten Punkte hier rekapitulieren und einen Bezug zur Schweiz schaffen.

CO2 Ausstoss
Ein erster Aspekt ist die energie-intensive Produktion von Fleisch und der damit verbundene CO2 Ausstoss. Der Artikel referenziert eine Studie der Oxford Universität, die besagt, dass die Produktion von 226g Rindfleisch bezüglich Ausstoss vergleichbar ist mit einer 12.7km langen Autofahrt. Dem zu Folge würde ein globaler Wechsel zum Vegetarismus den Treibhauseffekt um zweidrittel reduzieren.

Oftmals behaupten Fleischkonsumenten in der Schweiz, dass sie durch den Kauf von „Schweizer Fleisch“ auf „ökologisches“ Fleisch setzen und somit wenig zum Ausstoss von CO2 beitragen. Wie eine Medienmitteilung[2] von „Schweizer Fleisch“ verkündet, geben 74% ihrer Befragten an, die Herkunft des Fleisches mit „wichtig“ oder „sehr wichtig“ zu priorisieren. Was steckt aber wirklich hinter dem Fleisch mit Schweizer Herkunft?

Tatsache ist, dass in der Schweiz, global gesehen, überdurchschnittlich viel Fleisch gegessen wird. Man geht von einem Konsum von etwa jährlich 53.6kg Pro-Kopf aus, wobei die Dunkelziffer etwas höher liegen dürfte wegen importierter Ware aus dem Ausland. Tatsache ist auch, dass alleine in der Schweiz über 55 Millionen Tiere jährlich für ihr Leib geschlachtet werden. Übrigens sind es weltweit 65 Milliarden, was fast dem zehnfachen der Weltbevölkerung entspricht. Zurück zur Schweiz. Diese immense Anzahl an Tieren muss gefüttert werden und dafür reichen die inländische Ressourcen nicht aus. Folglich werden jährlich 1.1 Millionen Tonnen Futtermittel importiert um die Tiere auf Schweizer Boden zu ernähren. Für diese Menge an Futter müssen im Ausland 200'000 bis 250'000 Hektaren Land genutzt werden. Das entspricht in etwa der gesamten Schweizer Ackerfläche[3].

Interessant sein dürfte auch die folgende Grafik, welche die Treibhausgase pro Kilogramm Fleisch aus der Schweiz und Brasilien zeigt[3]:

Treibhausgase pro Kilogramm verkaufsfertiges Fleisch, umgerechnet in Kilogramm CO2-Äquivalent.
Treibhausgase pro Kilogramm verkaufsfertiges Fleisch, umgerechnet in Kilogramm CO2-Äquivalent.

Dass das Fleisch aus Brasilien deutlich mehr CO2-Ausstoss verursacht dürfte wohl klar sein. Dennoch ist nicht zu übersehen, dass beispielsweise 1kg Rindfleisch aus der Schweiz 11.5kg beziehungsweise 19.3kg CO2-Ausstoss verursacht. Jetzt darf jeder für sich selber nachrechnen: In der Schweiz wird mit durchschnittlich etwa 53.6kg Fleisch pro Kopf gerechnet und wir zählen etwa 8.3 Millionen Einwohner[4]. Zwar konsumiert nicht jeder nur Rindfleisch sondern auch Schweinefleisch oder Hühner aber kurz gesagt: Der Konsum von Schweizer Fleisch trägt ebenfalls zu einem unverhältnismässigen Ausstoss von CO2 und kann beim besten Willen nicht vernünftig begründet werden.

Gesundheit
Es gibt einen globalen Leitfaden welcher eine gesunde Ernährung grob definiert. Dieser Leitfaden wird kurz HGD genannt. Analog dazu haben wir die vegetarische Ernährung „VGT“ und die vegane Ernährung „VGN“. Dazu folgende Abbildung[1]:

Einsparungen durch HGD, VGT und VGN Ernährungsweisen im Umwelt- sowie Gesundheitsbereich
Einsparungen durch HGD, VGT und VGN Ernährungsweisen im Umwelt- sowie Gesundheitsbereich

Diese Grafik zeigt uns: Wenn sich die gesamte Weltbevölkerung ab heute nach dem Leitfaden HGD ernähren würde, so hätten wir im Jahre 2050 im Umweltbereich Ersparnisse von etwa 0.1 bis 0.7 Trillionen US-Dollar (zu Deutsch mit Billionen zu rechnen). Analog dazu wären es mit einer fleisch-losen Ernährung etwa 0.2 bis 1.6 Billionen USD. Eine Ernährung frei von Tierprodukten sogar noch mehr mit bis zu 1.8 Billionen. Die grossen Schwankungen in den Rechnungen begründen sich mit unbekannten Karbon Emissionen. Von Interessen sein dürften auch die drei blauen Balken auf der rechten Seite. Sie zeigen die Ersparnisse im Gesundheitsbereich, welche durch diese drei betrachteten Diäten möglich wären. Der Schlager: eine vegane Diät mit bis zu 1.4 Billionen amerikanischer US-Dollar Einsparungen im Gesundheitsbereich.

Davon könnten die Schweizer Bürger auch profitieren. Laut dem Bundesamt für Statistik belaufen sich die Ausgaben für das Gesundheitswesen auf 726 Franken[5] pro Kopf und Monat. Unabhängig von Alter und Geschlecht beliefen sich die absoluten Kosten des Gesundheitswesens auf 71‘334.6 Millionen Franken[6] jährlich. Davon sind 10‘956 Millionen für Behandlungen in Arztpraxen, 1‘987.2 Millionen für Arzneimittel durch Ärzte und 4‘364.6 Millionen für Arzneimittel durch Detailhandel ausgegeben worden. Das entspricht in etwa 24.3% der gesamten Kosten im Gesundheitswesen. Leider stehen mir keine Details zur Verfügung, um welche Arzneimittel es sich handelt oder welche Behandlungen genau der Fall sind, aber klar ist: Eine vegetarische Ernährung ist sehr effektiv um eine kardiometabolische Erkrankung vorzubeugen[7], veganisch umso mehr. Klar ist auch, dass in der Schweiz im Jahr 2013 von den 64‘961 registrierten Todesfällen 33.1% ihren Ursprung in einer Herz-Kreislauf-Erkrankung fanden[8]. Wir können an dieser Stelle also sehr wohl behaupten, dass eine vegetarische Schweiz im Gesundheitsbereich sehr viel weniger kosten würde, weil die Menschen weniger oft behandelt werden müssten und viele Beschwerden dank gesunder Ernährung nicht auftreten würden.

Wasserverbrauch
Nicht umsonst heisst es: „Wasser ist der Ursprung aller Leben“. Deshalb dürfte es einleuchtend sein, dass ein vernünftiger Umgang mit Wasser wichtig ist. Wie der Artikel des WEFs zeigt, ist der Fleischkonsum aber in Bezug auf Wasser überhaupt nicht vernünftig.

Globale Durchschnittswerte für Wasserverbrauch in Liter(Kubikmeter) pro Tonne
Globale Durchschnittswerte für Wasserverbrauch in Liter(Kubikmeter) pro Tonne

Die Statistik[1] zeigt: Damit eine Tonne Rindfleisch produziert werden kann braucht es 15‘000 Liter Wasser. Für Gemüse sind es hingegen in etwa 625 Liter für eine Tonne. Zum Vergleich: eine durchschnittliche Badewanne umfasst 140 Liter[9].

In der Schweiz wurden im Jahr 2013 insgesamt 917 Millionen Liter Wasser verbraucht[10]. Darin einberechnet sind Verursacher wie Haushalte und Kleingewerbe, Industrie und Brunnen jedoch kein Wasserverbrauch der indirekt durch den Kauf von Produkten entsteht. Betrachten wir nur Haushalte und Kleingewerbe waren es 530 Millionen Liter, also etwa 58%. Weil mir leider keine genauen Anteile des Fleischkonsums zur Verfügung stehen, stellen wir folgende Schätzung auf: Betrachten wir jeweils den durchschnittlichen globalen Wasserverbrauch für die Fleischsorten Rind, Schwein und Huhn gemäss der gezeigten Grafik, so resultiert der Durchschnitt in etwa bei 8‘300 Liter pro Tonne. Ich treffe an dieser Stelle die Annahme, dass diese Tiere in der Schweiz am meisten konsumiert werden und die Verhältnisse mit dem Durchschnitt in etwa ausgeglichen werden. In der Schweiz liegt der jährliche mittlere Pro-Kopf-Fleischkonsum bei etwa 53.6kg, wie bereits betrachtet. Das sind 0.0536 Tonnen pro Kopf. Ausgegangen von etwa 8.3 Millionen Menschen in der Schweiz sind das 444‘880 Tonnen im Jahr. Multiplizieren wir diese Tonnen mit unseren 8‘300 Liter/Tonne im Durchschnitt, so erhalten wir etwa einen Wasserverbrauch von etwa 3‘693 Millionen Liter Wasser. Das ist etwa das Vierfache des gesamten Schweizer Wasserverbrauchs.

Genaue Berechnungen in der realen Welt anzustellen ist natürlich schwierig sowie auch genaue Verursacher zu identifizieren. Jedoch lässt sich mit Statistiken und groben Schätzungen sehr wohl aussagen, dass der Konsum von Fleisch sehr eng verbunden ist mit massivem Wasserverbrauch der von heute auf Morgen eigentlich obsolet gemacht werden könnte.

Fazit
Ausgehend von der theoretischen Frage: „Was würde passieren, wenn die ganze Welt plötzlich aufhören würde Fleisch zu essen?“ haben wir beleuchtet, dass eine Schweiz frei von Fleischkonsum viel weniger CO2 ausstiesse, kosten im Gesundheitsbereich sparen würde und für massiv weniger Wasserverbrauch verantwortlich wäre. Wir sehen, dass kein rational denkender und umweltfreundlicher Mensch gleichzeitig Fleisch konsumieren kann. An dieser Stelle bleibt also noch den Finger auf den zu richten, der durch seine Ernährung etwas positives in dieser Welt bewirken kann. Genau, auf dich selbst.





[1]: https://www.weforum.org/agenda/2016/10/what-if-the-whole-world-went-vegetarian?utm_content=bufferf668a&utm_medium=social&utm_source=twitter.com&utm_campaign=buffer (Stand 22.12.2016)
[2]: https://www.schweizerfleisch.ch/medien/page/2016/fleischkonsum-2015-5135-kilogramm-pro-person.html (Stand 22.12.2016)
[3]: http://www.beobachter.ch/konsum/artikel/fleisch_darfs-ein-bisschen-weniger-sein/ (Stand 22.12.2016)
[4]: https://de.wikipedia.org/wiki/Schweiz (Stand 22.12.2016)
[5]: https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/querschnittsthemen/wohlfahrtsmessung/indikatoren/gesundheitsausgaben.html (Stand 22.12.2016)
[6]: https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/querschnittsthemen/wohlfahrtsmessung/indikatoren/gesundheitsausgaben.assetdetail.1161247.html (Stand 22.12.2016)
[7]: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4844163/ (Stand 22.12.2016)
[8]: http://www.interpharma.ch/fakten-statistiken/1792-haeufigste-todesursache-herz-kreislauf-erkrankungen (Stand 22.12.2016)
[9]: https://de.wikipedia.org/wiki/Badewanne (Stand 22.12.2016)
[10]: http://www.bafu.admin.ch/umwelt/indikatoren/08605/12306/index.html?lang=de (Stand 22.12.2016)

Kommentare

  1. Können wir das Fleisch der Welt füttern, ohne alle tierischen Abfälle zu produzieren? Können wir Nationen aus der Dritten Welt Fleisch essen lassen, ohne mit ihren Tieren zu leben? Es braucht viel Masse, um ein Tier aufzuziehen, dieses Essen, das wir produzieren, um es zu füttern, wir könnten uns selbst ernähren oder andere Dinge auf diesem Land anbauen, das wir stattdessen essen könnten. Ich finde das https://bestefriteusetest.de/kochwerk sehr gute Website für das beste Kochgeschirr. Wenn Sie möchten, können Sie diese Website besuchen.

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