Direkt zum Hauptbereich

Schweizer Speziesismus

Wir Menschen haben Vorurteile. Manchmal können sich diese Vorurteile auf bestimmte ethnische Gruppen richten oder schlichtweg auf Menschen anderer Hautfarbe. In extremen Fällen sprechen wir von Rassismus. In anderen Fällen sprechen wir von Fleischkonsum.

Was ist Speziesismus?
Als Speziesismus beschreibt das Wörterbuch: «Anschauung, nach der der Mensch allen anderen Arten überlegen und daher berechtigt sei, deren Vertreter nach seinem Gutdünken zu behandeln» [1]. Mit anderen Worten heisst das, dass im Speziesismus ein Mensch andere Lebewesen wie Kühe, Schweine, Bienen oder Hunde als minderwertig betrachtet und mit ihnen anstellen kann, was er möchte.

Interessant ist aber, dass gewisse Spezies auch aus der Sicht des Menschen etwas mehr «Wert» haben als andere Spezies. In den Köpfen vieler Menschen bildet sich eine Rangliste. So bevorzugen wir Hunde, Katzen oder Pandas gegenüber Kühen, Hühner oder Schweine. Ebenfalls würden wahrscheinlich viele Leute das Leben ihres eigenen Haustieres dem eines Fremden vorziehen. Ich muss gestehen, auch ich habe mich lange unbewusst an eine Rangliste gehalten.

Auch interessant ist, dass je nach kulturellem Kreis, diese unausgesprochene Rangliste der beliebten Tiere etwas anders geordnet ist. So schauen wir als Schweizer mit schüttelndem Kopf den Spaniern zu, wie sie in riesigen Stadien den Rodeo feiern. Wird das Hundefestival in China durchgeführt, finden wir dafür ebenfalls nur kritische Worte. Analog aber schauen die Inder in die Schweiz und fragen sich, warum wir die Kühe hier so schlecht behandeln. Besonders zu denken gibt mir persönlich aber die Pelzindustrie. Zwar würde jeder, ohne zu zögern, zustimmen, dass den Füchsen und Nerzen für den Gewinn von Pelz sehr viel Elend angetan wird aber trotzdem gibt es ein «Schnipo» zum Mittagessen. Speziesismus ist also allgegenwertig aber viele sind sich der Situation nicht bewusst.

"Wo ziehst du die Grenze?" [2]
«Wo ziehst du die Grenze?»
Oftmals höre ich Argumente wie «Die Kühe bekommen ja gar nichts mit» oder «Der Geschmack von Fleisch ist halt gut». Dennoch würden einige der Befürworter keine Katze essen, obwohl ihre «Argumente» auch in der Situation zum Zuge kämen.  Weshalb stufen Fleischkonsumenten also eine Katze als «nicht-essbar» ein, eine Kuh jedoch schon?

Man könnte sich überlegen, dass die Intelligenz eines Lebewesens ausschlaggebend sein könnte. Dem zu Folge wären «dumme» Tiere essbar und «schlaue» Tiere nicht. Mit dieser Argumentation würden aber plötzlich ganz viele Menschen auf der Welt auf der Speisekarte stehen – mal ehrlich.

Das Bewusstsein eines Tieres kann auch nicht das Kriterium sein. Zwar ist es aus wissenschaftlicher Sicht umstritten, welche Lebewesen genau inwiefern sich ihrer Lage bewusst sind, trotzdem gilt in solchen Fällen die Annahme zu treffen, dass sie es sind. So gehen wir auch mit stark kognitiv beeinträchtigen Menschen um. Beispielsweise habe ich mit Individuen zu tun gehabt, die ihrer Krankheit wegen sich kaum bewegen konnten, ihre Blicke ziellos im Raum wanderten während ihnen aus dem Mundwinkel Speichel floss. Dennoch kümmerte sich ihre Familie und das Betreuungspersonal um sie. Analog dazu kann auch eine Kuh ihre Umgebung wahrnehmen und mit anderen Lebewesen auf ihre eigene Art kommunizieren. Andere Tiere sind ausdrucksvoller als andere und das ist zu respektieren – keineswegs ein Grund sie zu schlachten.

Empathie
In diesem Zusammenhang ist meines Erachtens «Empathie» das wichtigste Stichwort. Mit Spezies die «härzig» und «ausdrucksvoll» sind, wie zum Beispiel kleinen Welpen, mit denen fühlen wir uns auch verbunden. Sie antworten auf unsere Gesten mit Freudensprünge oder Schwanzwedeln. Wir empfinden dadurch Empathie. Mit anderen Worten: Wir sehen etwas «Mensch» von uns in ihnen und deshalb beschützen wir sie.  Leider fällt es vielen Menschen schwer auf einen Teller mit Fleisch zu blicken und Empathie zu empfinden. Stattdessen wertet man Kühe und Schweine als «Nutztiere» ab und gibt sich selbst den ökologischen Schulterklopfer, wenn das Tier möglichst «gut genutzt» worden ist. Man will ja schliesslich nicht verschwenderisch sein.

Schlusswort
Speziesismus wird uns von klein auf in der Schule gelehrt. Es gibt «Nutztiere» die für uns «produzieren». Sie geben uns Fleisch, Milch und Eier. Das sei für uns überlebensnotwendig, heisst es. Leider stellt niemand die Frage, weshalb noch überalterte Lehrbücher im Lehrplan stehen. Wer weiss, vielleicht wird auch irgendwann der speziesistische «Schweizer Fleisch»-konsum in den Geschichtsbüchern zu finden sein, direkt neben anderen dunklen Kapiteln der Menschheitsgeschichte wie das Apartheidsystem, Sklaverei oder die systematische Tötung von Juden durch die Nazis. Dann ja – es gibt Ähnlichkeiten.





[1]: http://www.duden.de/rechtschreibung/Speziesismus (Stand 13.01.2017)
[2]: https://www.quora.com/Where-do-vegans-draw-the-line-for-animals (Stand 13.01.2017)

Kommentare