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Isst man vegetarisch ungesund?


Weitverbreitet ist die Meinung, dass eine Ernährung ohne Fleisch ungesund ist. Man habe ohne Fleisch nicht genügend Vitamine, Proteine oder Eisen um den eigenen Körper richtig zu nähren. «Eine ausgewogene Ernährung enthält eben Fleisch.», so die Behauptung. Wie definiert sich aber eine ausgewogene und gesunde Ernährung? Isst man vegetarisch ungesund?

Gespaltene Meinungen
Laut dem Bundesministerium für Bildung und Forschung in Deutschland ist eine gesunde Ernährung vor allem vielseitig. Nur aus verschiedenen Lebensmitteln könne man den eigenen Nährstoffbedarf decken. Dazu gehören Getreide, Obst, Gemüse sowie auch hochwertiges Protein welcher der Mensch insbesondere aus tierischen Lebensmitteln erhalte [1].

Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung schliesst sich dieser Meinung an. Eine Ernährung frei von Tierprodukten wird sogar als «ungeeignet» bezeichnet. Interessanterweise heisst es aus den Vereinigten Staaten aber, dass eine vegane Art der Ernährung sehr wohl für alle Phasen des Lebens, von der Schwangerschaft bis hin zum hohen Alter, geeignet ist [2].

Die Meinungen spalten sich also. Betrachten wir deshalb ein paar Beispiele. Herr Oswald Hasselmann ist ein Facharzt in St. Gallen und gemäss Beobachter hat er ausgesagt, dass in den letzten Jahren zwölf Kinder mit schweren neurologischen Schäden eingeliefert worden sind. Der Ursprung dafür sei der Mangel an Vitamin B12 gewesen. Er selber sei Vegetarier und rate davon ab Kinder vegan zu ernähren, es sei denn man liesse das Kind ärztlich begleiten. Beispiele aus dem veganen Lager gäbe es aber auch, wie beispielsweise der Bodybuilder Patrik Baboumian aus Deutschland oder der Schweizer Hockeyspieler Andreas Hänni, welche beide nach Jahren veganer Ernährung trotzdem Höchstleistungen erbringen [2]. Weiter gibt es beispielsweise Renato Pichler, Präsident der Informationsstelle «Swissveg», der sich seit über 22 Jahren frei von Tierprodukten ernährt und dem es laut eigener Aussage gut geht [3].

Was sagt die Forschung?
Seit einigen Jahren gibt es den «VegMed», sprich einen wissenschaftlichen Ärztekongress für vegetarische Ernährung. Teilnehmer sind vor allem weltweit führende Forscher, welche die Anwendung einer vegetarischen Diät als Therapieform etablieren. Grund für den Kongress ist vor allem die Tatsache, dass immer mehr Menschen sich von Fleisch und/oder von allen tierischen Produkten verabschieden. Ebenfalls sprechen sich vermehrt Forschungsbereiche der Kardiologie, des Stoffwechsels und Onkologie für eine vegetarische Ernährung aus [4].

Bisherige Untersuchungen, welche an der VegMed 2012 thematisiert worden sind, zeigten beispielsweise erhöhten Übergewichtsrisiko sowie Diabetes Typ 2 beim Konsum von tierischen Produkten. Grob gesagt sei das Diabetesrisiko bei Veganern nur etwa halb so gross als bei Fleischessern [5].

Weiter sei in Gebieten, in denen sich Menschen traditionell mehrheitlich vegetarisch ernähren, das Risiko für metabolische Syndrome geringer. Das sei darauf zurückzuführen, dass die Ernährungsweise eines Vegetariers weniger mit gesättigten Fetten und Cholesterin in Verbindung steht, dafür aber mit einem erhöhten Konsum von Ballaststoffen, Antioxidantien und sekundären Pflanzenstoffen. Ein starker Fleischkonsum bringe auch eine gesteigerte Eisenaufnahme mit sich, welche auch ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte, Bluthochdruck und somit eine gesteigerte Mortalität bedeutet. Eine pflanzliche Ernährung führe deshalb zu tendenziell besseren Fettwerten im Blut, einem günstigeren Blutzuckerspiegel aber auch zu einem niedrigeren Blutdruck [5].

Andere klinische Studien würden die Vorzüge einer vegetarischen Ernährung bei beispielsweise Demenz und Arthritis betonen. Die Vorteile seien in jeder Hinsicht deutlich, die Frage sei eher in welcher Form die vegetarische Diät am effizientesten wirkt. Prof. Claus Leitzmann (ehemaliger Leiter des Giessener Instituts für Ernährungswissenschaft) vertritt die Meinung, dass eine vegane Ernährung sehr wohl bedarfsgerecht und gesundheitlich sinnvoll ist, es sei aber auf eine ausreichende Vitamin-B12-Einnahme zu achten [5].

Gemäss der VegMed 2012 gäbe es aber leider Unterschiede zwischen den gelieferten Beweisen und der tagtäglichen Praxis. Die Ärzteschaft würde die Vorzüge der vegetarischen bzw. veganer Ernährung kaum umsetzen. Ein Grund dafür sei womöglich, dass das Thema Ernährung im Medizinstudium kaum behandelt wird und folglich bei wenigen Ärzten präsent ist. Abhilfe schaffen könnten regelmässige Fort- und Weiterbildungen der Ärzte. Weiter hätten Ernährungstherapeuten damit zu kämpfen, dass sich viele Patienten nur schwer vom Fleischverzicht überzeugen lassen würden. Abschliessend könne man sagen: «Ob die vegetarische Ernährung mehr Einzug in die Medizin erhalten wird, ist weniger eine Frage der Evidenz als vielmehr eine Frage von Kultur, Konsumgewohnheiten und Nachhaltigkeit.» [5].

Fazit
Es gibt klare Beweise dafür, dass eine fleischlose oder gänzlich tierproduktfreie Ernährung gesünder ist als eine mit Fleisch und sonstigen Tierprodukten. Eine vegetarische Diät bedeutet aber nicht einfach das Fleisch aus dem Menu zu streichen, sondern sich auch zu informieren wo Nährstoffe zu finden sind und entsprechende Lebensmittel adäquat zu konsumieren. Um alle Vorzüge einer vegetarischen Diät zu geniessen ist es also wichtig auf eine korrekte Umsetzung dieser Ernährungsform zu achten.





[1]: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/was-ist-gesunde-ernaehrung.php (Stand 06.01.2017)
[2]: http://www.beobachter.ch/leben-gesundheit/ernaehrung-genuss/vegan/artikel/veganer_tiere-essen-nein-danke/ (Stand 06.01.2017)
[3]: http://www.aargauerzeitung.ch/leben/gesundheit/vegan-ist-kein-trend-mehr-sondern-bereits-in-der-gesellschaft-angekommen-129761887 (Stand 06.01.2017)
[4]: http://www.vegmed.de/ (Stand 06.01.2017)
[5]: http://www.karger.com/Article/FullText/353856 (Stand 06.01.2017)

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