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Fleisch essen ist keine persönliche Entscheidung


Viele Menschen, die Fleisch konsumieren, reagieren auf vegetarische Mitmenschen mit längst überholten Pseudoweisheiten aus der «Ernährungswissenschaft», mit Halbwahrheiten zum vermeintlich unökologischen vegetarischen Lebensstil, mit ihrem unendlichen Repertoire an Wissen zur Evolution und Darwinismus und schliesslich, nach Einsicht ihres schwachen Standpunktes, mit der Aussage: «Mein Konsum von Fleisch ist meine Sache». In diesem Beitrag möchte ich gerne ausführen, weshalb, zumindest aus meiner Sicht, der Konsum von Fleisch keine persönliche Entscheidung ist.

Definition
In einem ersten Schritt definieren wir, was eine persönliche Entscheidung überhaupt ist. Was heisst es, «für sich» etwas zu entscheiden? Was bedeutet überhaupt, «etwas zu entscheiden»? In jedem Wörterbuch lautet die Definition von «entscheiden» in etwa: «Nach Prüfen, Vergleichen oder kurzem Besinnen in einem Entschluss seine Wahl auf jemanden, etwas festlegen» [1]. Das Wort «persönlich» nimmt in Zusammenhang der Entscheidung die Bedeutung «die eigene Person betreffend» an [2]. In dem Sinne bedeutet es also eine persönliche Entscheidung zu treffen: Sich für etwas, welches die eigene Person betrifft, zu entscheiden.

Nun könnte man sagen, dass es sehr wohl nur die eigene Person betrifft womit man sich nährt, sei es Fleisch, Gemüse oder Milch. Der Hacken ist aber: Entscheidet sich ein Mensch Fleisch zu konsumieren, so entscheidet sich er auch für den Tod eines anderen Lebewesens. Analog dazu entscheidet sich ein Mensch durch den Konsum von Milch dafür, dass Kühe gegen ihren Willen geschwängert werden und statt für ihre Kälber, für uns laktieren. Dazu folgendes Zitat von Elmar Kupke:

«Die persönliche Freiheit endet dort, wo ein anderer befördert wird…» [3].

Mit anderen Worten kann man sagen, dass, sobald die eigene Entscheidung andere Lebewesen betrifft, die Angelegenheit keine eigene Entscheidung mehr ist. Wir sprechen von einem Konstrukt, in dem mehrere Wesen ihre Interessen und Rechte vertreten. Wie aber allgemein bekannt ist, kann keine Kuh eine für uns allzu verständliche Sprache sprechen. Auch kognitiv und/oder physisch beeinträchtigte Menschen pflegen, manchmal, keine für uns verständliche Ausdrucksweise. Wir verlassen uns auf unsere Empathie und deuten ihre nonverbale Kommunikation um ihre Bedürfnisse zu verstehen. Wenn einem solchen Menschen Leid angetan wird, sehen wir seine Mimik und Körperhaltung und interpretieren den Appell, dass unser Einschreiten nötig ist.

Beispiele
Betrachten wir ein paar Beispiele.  Am 5. November 2015 berichtet Tele M1 von einem Katzenhalter, dessen Tier geköpft wurde [5]. Der Besitzer kann nicht verstehen, wie in einer zivilisierten Gesellschaft ein Mensch einem Tier so etwas antun kann. Im gleichen Jahr gab es ähnliche Berichte, wie beispielsweise die eines Unbekannten, der mehrere Hasen «entsorgt» haben soll [6]. Letztes Jahr kam eine andere Reportage dazu, von einer Frau, die ihren Hund mit einem Beil erschlagen hat. Sie habe ihren Hund nach einem Autounfall leiden sehen und habe den Hund erlösen wollen. In der Nachbarschaft sprach man von einer Tierquälerin[7].

Es ist nicht meine Intention Horror-Geschichten zu verbreiten. Worauf ich hinaus will ist: Diese Beispiele zeigen deutlich, dass Menschen Empathie für Tiere empfinden können. Wir Menschen verstehen, dass Tiere zu Unrecht etwas angetan werden kann. Wir verstehen, dass Tiere manchmal Leid empfinden müssen, obwohl es nicht nötig ist. Wir verstehen, dass anderen Lebewesen ihr Recht zu leben ohne Grund entzogen werden kann. Folglich begegnen wir solchen Berichten mit Wut und Entsetzen.

«Erst wenn der Tod persönlich wird, fangen wir an zu schreien» [4].

Wenn uns eine Sache «nahe» kommt, so reagieren wir. Würde jemand auf der Strasse auf unser Haustier einschlagen, weil es seine Entscheidung war dies so zu tun, so würden wir sofort einschreiten und etwas dagegen unternehmen, oder etwa nicht? Würde ein Mann sich dazu entscheiden, ein Mädchen auf der Strasse zu vergewaltigen, weil seine sexuelle Lust ihn dazu bewegt und weil das Mädel aus seiner Sicht zu extravagant angezogen ist, dann würden wir doch auch einschreiten, oder nicht?

Warum der Konsum von Fleisch keine eigene Entscheidung ist…

dürfte nun auf der Hand liegen. Für Tierprodukte werden Lebewesen völlig grundlos ungerecht behandelt und schliesslich geschlachtet. Man beachte an dieser Stelle, dass Fleisch an sich keine für uns überlebenswichtige Nahrungsquelle ist. Wir sind auch keine Tiger oder Löwen, die in der Wildnis jagen um ihr Überleben zu sichern. Wir leben auch nicht in Afrika, wo die Menschen wirklich um Nahrungsmitteln bangen und jeder Tag der Kampf um das eigene Überleben bedeutet. Wir Schweizer leben aber in einem Land, in dem die Tiere zu Massen ausgebeutet, zu Ware degradiert werden und schliesslich luftdichtverpackt im Kühlregal landen.

Aus der Sicht eines Vegetariers kann der Blick auf einen Teller mit Fleisch in etwa mit dem Blick auf einen Tierquäler gleichgesetzt werden. Analog dazu blickt ein Veganer in ein Fondue und denkt sich ähnliches. Deshalb sollte es völlig in Ordnung sein zu sagen: «Was du tust ist nicht ok - und nein, es ist keine persönliche Entscheidung».





[1]: http://www.duden.de/rechtschreibung/entscheiden (Stand 06.01.2017)
[2]: http://www.duden.de/rechtschreibung/persoenlich (Stand 06.01.2017)
[3]: https://www.aphorismen.de/zitat/37232 (Stand 06.01.2017)
[4]: https://www.aphorismen.de/zitat/43501 (Stand 06.01.2017)
[5]: http://www.telem1.ch/35-show-aktuell/7188-episode-donnerstag-5-november-2015/14882-segment-ein-schreckliches-bild (Stand 06.01.2017)
[6]: http://www.telem1.ch/35-show-aktuell/3962-episode-donnerstag-30-april-2015/7118-segment-tierquaelerei-in-zuchwil (Stand 06.01.2017)
[7]: http://www.telem1.ch/35-show-aktuell/8877-episode-dienstag-23-februar-2016/19484-segment-hund-mit-beil-erschlagen (Stand 06.01.2017)

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