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Wie werde ich fleisch-los?

Per Definition bezeichnet man eine Ernährung ohne Fleisch als „vegetarisch“. Um jegliche Zweifel jetzt zu beseitigen: Ja, Fisch ist auch Fleisch. Und nein, ich weiss nicht warum eine Unterscheidung zwischen „Fleisch“ und „Fisch“ gemacht wird. Weiter im Text.

Eine vegetarische Ernährung bringt in vielen Facetten des Lebens sehr viele Vorteile, dazu werde ich mich sicher in Zukunft mehr äussern. Essentiell geht es aber beim Vegetarismus darum, ein Leben zu führen ohne dafür unnötig ein Tier töten zu müssen. Das Stichwort „unnötig“ ist mir persönlich sehr wichtig in dem Kontext. Der Mensch kategorisiert sich, nach heutigem Wissensstand, als Allesfresser und kann somit Fleisch und Pflanzenkost verdauen. Weiter ist allgemein bekannt, dass eine „ausgewogene“ Ernährung notwendig ist um gesund zu sein. Was viele Menschen jedoch nicht wissen: Pflanzliche Stoffe können tatsächlich Fleisch ersetzen. Gänzlich. Ohne Ausnahme.

An dieser Stelle möchte ich nicht zu tief in die Details der Nährwerte gehen, denn das werde ich in Zukunft sicherlich tun. Erstmal geht es mir hier darum, den Interessanten einen Weg auf zu zeigen wie man sich in der Schweiz vegetarisch ernährt.

Schritt für Schritt
Ich empfehle wirklich Niemandem seine Ernährung von heute auf morgen komplett umzustellen. Dieses Vorgehen ist zum Scheitern verurteilt. Stattdessen empfehle ich das scheinbar komplizierte vegetarische Zeug in kleine Schritte aufzuteilen und Stück für Stück anzugehen. Merke, du hast Jahre lang gelernt Fleisch zu essen. Jetzt wirst du auch eine Weile brauchen um zu lernen, dich vegetarisch zu ernähren.

Die Recherche und der Einstieg
Als erstes sollte man sich, vorausgesetzt du hast dich mit Themen wie Nährwerte, Kalorien und Vitaminen befasst und dich entschlossen einen Lebensweg frei von Fleisch zu gehen, im Detailhandel gut umsehen. In meinem Beispiel ging ich in die Migros – nein ich werde nicht für Werbung bezahlt – und schaute mir mal die Produkte im Kühlregal an. Es gibt da einige Fleischersatzprodukte, beispielsweise „Quorn“, die sich sehr gut eignen um Gerichte, die ansonsten Fleisch enthalten, ohne grosse Mühe frei von Fleisch werden zu lassen. Ich will damit nicht andeuten, dass vegetarisch zu kochen schwierig sei aber mit solchen Produkten lässt sich ein Einstieg vereinfachen. Zudem enthalten solche Produkte eine gute Menge an Proteinen, Kohlenhydraten und Fetten, weshalb eine Umstellung noch keiner weiteren Überlegungen bedarf. Dennoch ist es keine gute Idee sich gänzlich auf solche Produkte zu verlassen. Mit der Zeit geht das ins Portemonnaie und die Laune Vegetarier zu werden gleich mit. Trotzdem: Mit solchen Produkten kannst du langsam dein Fleischkonsum ersetzen.

Vegetarische Quorn Zitronenpfeffer Schnitzel als Fleischersatz

Liebe geht durch den Magen
Gilt ehrlich gesagt nicht nur für die Liebe aber auch für den Vegetarismus. Während du dich mit Hilfe von Fleischersatz erstmal an die vegetarische Ernährungsweise herantastest, kannst du parallel dazu dich nach anderen Produkten im Supermarkt umsehen. Namentlich: Rote Kidney Bohnen, Quinoa, Linsen, Couscous, Tofu, Reis, Broccoli, Lauch, Haferflocken, Kartoffeln und und und. Ich empfehle wirklich jedem sich mit solchen Dingen auseinander zu setzen, weil solche Produkte relativ wenig kosten, einfach zubereitet sind und kombiniert sehr „fein“ sind. Die Idee ist, dass du langfristig mit solchen Produkten in der Küche umzugehen weisst und weniger auf fertige Fleischersatzprodukte angewiesen bist. Schliesslich sind Fertigprodukte auf lange Sicht nicht ideal und erst noch teuer.

Rote Kidney Bohnen. Über Nacht einweichen und am nächsten Tag kochen.
Rezepte… und Menge!
Ich als Student habe echt keinen Bock jeden Tag im Campus mehr als 10 Franken für Essen auszugeben und dann erst noch mit Hunger in die Nachmittagsstunde zu gehen. Hinzu kommt, dass die vegetarische Varietät in Restaurants oder Fast Food Ketten sehr bedürftig ist. Es spricht also alles dafür ein paar Mal die Woche ein Stündchen dafür aufzuwenden selber Essen vorzubereiten, gleich für mehrere Tage, und dieses dann in die Schule mitzunehmen. Analog dazu zur Arbeit, versteht sich.

In beiden Fällen aber ist es essentiell für die Gesundheit aus psychologischer und physischer Sicht sich mit verschiedenen Rezepten auseinander zu setzen und einfach mal zu experimentieren. Reis und Bohnen? Warum nicht? Man muss offen sein für neue Nahrungsmitteln und Produkten. Es tauchen immer wieder neue Dinge im Regal auf, warum nicht mal probieren?

Neben der Experimentierfreudigkeit gegenüber vegetarischen Produkten empfehle ich aber auch etwas Routine. Hat man für sich klare Rezepte im Repertoire aufgenommen, fällt es einfacher die Einkäufe zu planen und mit der Menge zu variieren um optimale Sättigung zu erreichen. Hier ein Beispiel aus meinen Rezepten:

Tofu, Linsen, Couscous und Gemüse.
100g Tofu Nature, gewürzt („Grillmix“ und noch etwas Pfeffer vor dem Braten) und gebraten. Begleitet von 100g Linsen und 60g Couscous. Die Nährwerte sind insgesamt wie folgt:
Fett 8.2g, Kohlenhydrate 95.3g, Proteine 57.68g.
Hinzu kommt noch das Gemüse, was natürlich auch noch Nährstoffe bringt aber vor allem wegen den sonstigen Vitaminen wichtig ist. Rechnen wir mit 4 kcal/g für die Kohlenhydrate, 4 kcal/g für Proteine und 9 kcal/g für Fett, so bringt diese Mahlzeit insgesamt 685.72kcal. Gemäss dieser Quelle ist für eine männliche Person im Alter von 19 bis 25 Jahren eine tägliche Kalorienzufuhr von 2400kcal empfohlen.  Bei Frauen im gleichen Alter sind es 2200kcal. Natürlich ist die tatsächlich benötigte Energiezufuhr von Mensch zu Mensch unterschiedlich, da hier verschiedene Faktoren wie die Verdauung sowie die Aktivität der Person eine Rolle spielen. Worauf ich aber hinaus will ist, dass wir mit einer solchen einfach zubereiteten Mahlzeit fast ein Drittel unseres täglichen Energiebedarfs decken. Erst noch vegetarisch und gesund. In dem Sinne können wir andere Rezepte konstruieren mit Bohnen, Teigwaren, Reis, Quinoa und so weiter.

Weshalb ich solche Gedanken jedem werdendem Vegetarier empfehle ist einfach: Viele Menschen sind der Meinung, dass man Vegetarier wird wenn man einfach Fleisch vom Menu streicht. So wird eine vegetarische Diät aber auf lange Sicht nicht funktionieren. Der Energiemangel wird sich in Ermüdung zeigen und im Blut werden verschiedene Defizite feststellbar sein. Das Resultat: Man beginnt wieder Fleisch zu konsumieren. Als Faustregel gilt: vegetarische Mahlzeiten sollen im Volumen gross sein, regelmässig variiert werden vor allem auch gesunde Fette enthalten. Das vorherige Beispiel ist jetzt eher fettarm aber ich tendiere dazu solche Mahlzeiten mit „Studentenfutter“ (= Mischung mit diversen Nüssen) zum „Zvieri“ zu ergänzen. Zum Frühstück dürfen natürlich Bananen und Haferflocken auch nicht fehlen um den Tag richtig mit Kohlenhydraten und Proteinen zu starten.

Aufs Detail kommt es an
Hat man sich Rezepte zusammengesucht oder selber erstellt, langsam eine Routine in der Küche bekommen und sich gänzlich von Fleisch gelöst, so darf man auch mal das Haus verlassen. Scherz – aber nein, im Ernst. Auch auswärts gibt es viele Möglichkeiten sich vegetarisch zu ernähren. Ich denke da konkret an Subway („Veggi Patties“ im Sortiment) oder an Falafel-Dürüm im Imbisstand. Mein persönlicher Favorit ist aber bei weitem das Hiltl-Restaurant in Zürich. Da gibt es grosse vegetarische Buffets und meine Fresse, ist das lecker! Und nein – ich werde nicht für Werbung bezahlt.

Weshalb es aber aufs Detail ankommt ist eine andere Sache. Auch mir ist es schon passiert, dass ich ein Produkt konsumiert habe, im Glauben es sei vegetarisch, und dann feststellen musste, dass das Produkt nicht vegetarisch ist. Abgesehen davon, dass mir das Essen wirklich fast wieder „obsi“ gekommen ist habe ich mich gefragt: „Wer tuet scho verdammti Sardellecrème ine Tomatesauce ine?!“. Um solche Situationen zu vermeiden, lohnt es sich wirklich mal die Zutatenliste durchzulesen und gegebenenfalls mal zu googeln was da eigentlich wirklich drin ist. Das Kleingedruckte ist nämlich wichtig.

Vegetarisch. Check. Vegan…?
Im Volksmunde sagt man oft, dass Vegetarismus eine Vorstufe sei zum Veganismus. Ich persönlich vertrete die Meinung, dass eine Ernährung ohne Fleisch viele positive Auswirkungen auf die eigene Gesundheit sowie Umwelt und andere Lebewesen hat. Weiter denke ich, dass das Vegetarier-Sein eng mit dem Veganismus verdrahtet sein sollte. Dies, weil die Milchindustrie beispielsweise auch mit sehr viel Leid für die Kühe verbunden ist. Du verstehst sicher wenn ich sage, dass es auch keinen Sinn macht sich vegetarisch zu ernähren und sich zeitgleich mit Pelzmänteln zu kleiden. Auch macht es meiner Meinung nach wenig Sinn sich vegetarisch zu ernähren und am Wochenende ein Fondue oder Raclette zu essen.

Abschliessend möchte ich sagen, dass es sich sicher für jedes Individuum lohnt den Vegetarier in sich zu entdecken. Danach sollte man mit offenen Augen durch die Welt gehen und ich bin mir fast sicher, dass man dann den Veganismus zumindest teilweise anstreben wird. Schritt für Schritt, eins nach dem anderen.

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